Artikel mit dem Schlagwort ‘Rassismus’
Solidarität mit Dr. Sabine Schiffer
Die Medienwissenschaftlerin Dr. Sabine Schiffer soll wegen übler Nachrede strafrechtlich belangt werden, weil sie öffentlich geäußert hatte, dass latenter Rassismus in unserer Gesellschaft eine Ursache für den Fehlschuss eines Polizisten auf einen unschuldigen Ägypter gewesen sein könnte.
Vorgeschichte: Die in Deutschland lebende Ägypterin Marwa El-Sherbini starb am 1. Juli 2009 in Folge eines rassistisch motivierten Attentats im Dresdner Landgericht. Beim Versuch seine Frau vor dem tödlichen Angriff zu retten, war auch ihr Mann Elwi Ali Okaz lebensgefährlich verletzt worden. Außerdem traf ihn ein gezielter Schuss eines hinzugeeilten Polizisten ins Bein, weil dieser ihn irrtümlich für den Täter gehalten hatte.
Die Kriminalisierung von Dr. Sabine Schiffer, aufgrund eines von ihr öffentlich vermuteten Zusammenhangs mit latentem Rassismus auch innerhalb der Polizei, halte ich für demokratie- und grundgesetzfeindlich. Sie ist m.E. ein unerhörter Angriff auf die Freiheit von Wissenschaft und Medien, der von der Zivilgesellschaft keinesfalls geduldet werden darf. Abgesehen davon, dass ich persönlich die Überlegungen von Frau Schiffer zu den soziologischen Hintergründen dieses tragischen Polizistenirrtums für plausibel halte, kann und darf Gesellschaftskritik die Polizei als Vollzugsbehörde des Staates nicht prinzipiell ausnehmen. Darum bekenne ich hiermit meine Solidarität mit Frau Dr. Schiffer und ermutige die Leser meines Blogs ebenfalls dazu. Wer keinen eigenen Artikel dazu verfassen kann oder will, kann das auch einfach als namentlicher Unterstützer dieser Solidaritätskampagne tun.
Andere lesenswerte Blog-Artikel zum Thema:
- Zensur in Deutschland: Strafbefehl gegen kritische Medienwissenschaftlerin (Der Schockwellenreiter)
- »Niemand ist objektiv« — Interview mit Sabine Schiffer (Kontextschmiede)
Tags:Islamophobie, Meinungsfreiheit, Rassismus, Sabine Schiffer
Iris Bleyer | 03.03.2010 | 12:27 Uhr | Recht im Netz, Zeitgeschehen | Kommentieren
Eine Frage mal an die Wallraff-Bejubler:
Wieso lässt sich eigentlich diese Republik gerade von Günter Wallraff erklären, wie sich Schwarz sein in Deutschland anfühlt, statt einfach denjenigen ihrer Bewohner zuzuhören, deren schwarze Haut echt ist?
Tags:Günter Wallraff, Rassismus
Iris Bleyer | 21.10.2009 | 11:17 Uhr | Zeitgeschehen | 2 Kommentare
Ringen um Worte
Ich sitz jetzt hier schon seit Stunden und frag mich, wie ich mein Entsetzen und meinen Zorn, über die öffentliche Menschenhatz der NPD auf einen schwarzen CDU-Politiker aus Thüringen, in angemessene Worte fassen kann. Doch ich finde sie nicht.
Tags:NPD, Rassismus, Rechtsextremismus, Zeca Schall
Iris Bleyer | 13.08.2009 | 22:51 Uhr | Zeitgeschehen | Kommentieren
Der neue (alte) Hass
Das ist es, was ich und viele andere Blogger jetzt schon seit Jahren durchs politisch-inkontinente Netz, aus den braunen Sümpfen der Nation heraufkriechen sehen:
Aber seit Deutschland kaum nach dem 11. September 2001 den Krieg gegen den Terror durch Einführung der Rasterfahndung gegen alle eröffnete, die Bart oder Kopftuch und große muslimische Frömmigkeit zeigen, vollzieht sich der Kurzschluss von Islam zu Terror nicht nur in den Köpfen von Außenseitern. Antisemitismus ist endlich weitgehend geächtet, nun ist Islamhass im Begriff, zur akzeptablen Form des guten alten Rassismus zu werden (…)
Was werdet Ihr antworten, wenn Eure Enkel Euch eines Tages fragen: Wie konnte das geschehen? Warum habt Ihr das nicht verhindert?
Tags:Islam, Islamophobie, Rassismus, Terrorismus
Iris Bleyer | 08.07.2009 | 16:17 Uhr | Zeitgeschehen | 2 Kommentare
Apropos Islamisierung
In jeder Gesellschaft stehen den Menschen viele Identitäten zur Wahl. Klasse, Kultur, Nationalität, Region, Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Generationszugehörigkeit können dabei wichtiger sein als Religion. Nur weil sich viele Deutsche als Christen beschreiben, heißt das nicht, dass ihre religiöse Identität alle anderen Identitäten übertrumpfte. Das Gleiche gilt für Muslime. – Quelle: welt.de (Hervorhebung von mir)
Diese Sichtweise erscheint mir so selbstverständlich, dass ich oft wirklich nicht verstehe, wie jemand, der sich selbst als aufgeklärter Humanist versteht, diese schlichten Grundlagen nicht als offensichtliche Wahrheit erkennen kann.
Nichtsdestotrotz war ich überrascht, dass man sowas auch in der WELT finden kann. Ich hab’s aber nicht selbst da entdeckt, da ich keine regelmäßige Leserin der Springer-Presse bin (das muss ich mir nun wirklich nicht täglich antun ;o), sondern wurde bei kandil.de auf den Artikel aufmerksam.
Muslime sind Menschen. Kollegen, Mitschüler, Nachbarn, Freunde…
Und ganz egal, was die islamistischen/islamophoben* Scharfmacher und ihr Mob sagen, in meinen Augen macht keiner meine muslimischen Mitmenschen zu Feinden. Mir macht Ihr keine Angst. Never ever!
btw: Diejenigen, die sich selbst in Blog-Diskussionen Islamkritiker nennen, sind in meinen Augen mehrheitlich nichts anderes als Rassisten. Ich kann sie gar nicht anders wahrnehmen, denn manche Parallelen sind einfach zu offensichtlich, als dass ein Kind dieses Landes aus meiner Generation sie übersehen könnte – es sei denn, es hätte den Geschichtsunterricht in der Schulzeit komplett verpennt.
*) imo zwei Seiten derselben Medaille: Fanatiker, Legionäre der Dummheit – die einen wie die anderen.
Tags:Islam, Islamophobie, Muslime, Rassismus
Iris Bleyer | 27.05.2008 | 01:04 Uhr | Zeitgeschehen | 4 Kommentare