Artikel mit dem Schlagwort ‘Matthias Platzeck’
Offenheit statt Denkbescheidung
Herr Kranich hat französisch buchstabiert und formulierte dabei, was ich mir vor einigen Tagen ebenfalls dachte, aber hier noch nicht deutlich in Worte fasste – nämlich, dass die Hoffnung, die Matthias Platzecks Hinterlassenschaft wohl beim deutschen Wählervolk wecken sollte, sehr wahrscheinlich wieder nur eine trügerische wäre. Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich zwar wünschte, sie wäre berechtigt, allein mir fehlt der Glaube.
Nach den Entwicklungen des letzten Jahrzehnts, in dem Deutschland sich an mindestens zwei Angriffskriegen beteiligte (die Beteiligung am Irak-Krieg wurde ja noch nicht offiziell zugegeben), Bürgerrechts-, Bildungs- und Sozialabbau, zugunsten von menschenverachtendem Marktfundamentalismus (unter dem für viele wohl immer noch harmlos klingenden Titel “neoliberale Globalisierung”), stetig vorangetrieben, Klima- und Umweltschutz dagegen sträflich vernachlässigt wurden, habe ich kein Vertrauen mehr in die deutsche Politik.
Ich halte offen gesagt mittlerweile sämtliche in Deutschland etablierten Parteien für zu schwach, um den kapitalistischen Global Players, die unsere sozialen, ökonomischen und ökologischen Systeme rücksichtslos ausbeuten, noch Grenzen zu setzen. Im Gegenteil, längst sitzen viel zu viele ihrer Vertreter mit den Wirtschafts-Lobbyisten in einem Boot und verhökern das in sie gesetzte Wählervertrauen meistbietend. Ihr langwieriger politischer Aufstieg, in einem von transnationalen Konzernen und Banken korrumpierten System, hat ihnen bereits alle guten Absichten abgeschliffen und ihren Idealismus auf Null schrumpfen lassen, wenn sie da angekommen sind, wo sie wirklich etwas bewegen könnten. Was tun sie stattdessen? Sie arrangieren sich, schöpfen so viel vom noch vorhandenen Rahm für sich ab wie möglich und geben die Verantwortung weiter …an die nächste Bande von Absahnern. Wohl wissend, dass dies ein Schneeballsystem ist, das in absehbarer Zeit zusammenbricht.
Übrigens, verehrter Herr Kranich, ganz so “denkbescheiden” war ich vielleicht bislang doch noch nicht ;o). Im Konsumblog z.B., wo auch ich mich schon mit einigen Beiträgen beteiligte, findet sich mittlerweile eine umfangreiche Ansammlung von Anzeichen und Resultaten der oben beschrieben Entwicklung. Mir kam es oft schon vor wie ein Gruselkabinett des Kapitalismus. Winfried Wolf würde es vielleicht wie ein Spiegelbild seiner apokalyptischen Reiter erscheinen.
Tags:Gesellschaft, Kapitalismus, Korruption, Lobbyismus, Matthias Platzeck, Politik
Iris Bleyer | 15.04.2006 | 09:11 Uhr | Zeitgeschehen | 1 Kommentar
Denkanstoß Rütli-Schule
Arne Gangrads Brief aus Neukölln hat in Don Alphonsos Rebellmarkt eine interessante Diskussion angestoßen. Ich fand es spannend, dort die verschiedenen Lesarten dieses Briefes und die daran anknüpfenden gedanklichen Fortsetzungen von Diskutanten, mit z.T. sehr unterschiedlichem sozialen Hintergrund und Werdegang, zu verfolgen.
Einig waren sich aber letztlich die meisten Diskussionsteilnehmer darin, dass wir dringend ein besseres und gerechteres Bildungssystem und politische Initiativen brauchen, um der sozialen Ausgrenzung und Verarmung ganzer Bevölkerungsgruppen entgegenzuwirken.
Seltsam, dass ich viele der Gedanken, die da formuliert wurden, nur wenig später auch in den SPD-Zukunftsvisionen des überraschend aus seinem Amt scheidenden Vorsitzenden Matthias Platzeck wiederfand. Merkwürdig, dachte ich, gerade jetzt diese gedanklichen Überschneidungen, aber erfreulich.
Da kann man nur hoffen, dass das von Matthias Platzek hinterlassene Grundsatzprogramm für einen besseren Sozialstaat von seinen bundesaktiven Parteigenossen nicht mit ihm zusammen verabschiedet, sondern weiter getragen und in Taten umgesetzt wird. Es wird höchste Zeit. - via Spreeblick
Und dann hab’ ich gestern auch noch des Schockwellenreiters Liebesbrief an Neukölln gelesen, in dem er beschreibt, warum ihm und seiner Frau Gabi der Kiez, den manche Medien die »Bronx von Berlin« nannten, ans Herz gewachsen ist.
Tags:Bildung, Matthias Platzeck, Neukölln, Politik, Rütli-Schule, Sozialstaat, SPD
Iris Bleyer | 11.04.2006 | 06:07 Uhr | Zeitgeschehen | Kommentieren