Artikel mit dem Schlagwort ‘Kapitalismus’
Apropos Globalisierung
Das ist doch nur so ein neumodisches Wort, vor dem sich keiner fürchten muss. Doch was es meint, ist alles andere als neu, das gibt’s schon sehr lange: Kartoffeln und Kakao aus Amerika, Seide und Porzellan aus China, Gold und Diamanten aus Afrika, arabischer Kaffee, indische Gewürze, französisches Parfum. Das alles und noch viel mehr finden wir schon seit Jahrhunderten auf den Märkten unserer Welt. Und aus Überlieferungen wissen wir, dass die Gelehrten bereits in der Antike ihre Erkenntnisse und Forschungsergebnisse untereinander austauschten, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab. Wer könnte heute noch den genauen Zeitpunkt bestimmen, an dem der länderübergreifende Austausch von Gütern und Wissen aus aller Herren Länder begann? Und wer hätte an dieser globalen Vielfalt grundsätzlich etwas auszusetzen?
Mit den noch frischen Bildern und Parolen der Befürworter und Kritiker des G8-Gipfels im Hinterkopf könnte sich allerdings mancher jetzt fragen:
“Aber wenn das Wesen der Globalisierung schon so viel länger existiert als dieses neumodische Wort dafür, wieso verursacht bzw. vermehrt es dann ausgerechnet jetzt Kriege, Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit?”
Meine Antwort: Macht es gar nicht. Wie bereits gesagt, Globalisierung ist nur ein Wort. Und zwar eins, dass die Macht- und Profitgierigen dieser Welt gebrauchen, um den von ihnen Ausgepressten und unter ihrer Knute Leidenden vorzugaukeln:
“Wir war’n das nicht. An Eurem ganzen Elend sind nur die Umstände Schuld. Für die können wir nichts, und wir haben auch nicht die Macht sie zu ändern.”
Mit Hilfe des Wortes erklären also die Reichen und Mächtigen dieser Welt die Ausbeutung der Mehrheit der Weltbevölkerung, zugunsten einer privilegierten Minderheit, zu einer Art Naturgesetz. Lüge! Sie selbst sind es, die viele globale Ungerechtigkeiten schaffen und/oder aufrecht erhalten, weil sie davon profitieren. Und denen, die das erkennen und anderen weitersagen, werfen sie häufig vor (sinngemäß), es wäre dumm, die Globalisierung zu kritisieren, denn niemand könnte doch ernsthaft glauben, dass man den internationalen Handel rückgängig machen könnte. Daher bliebe den Völkern nichts anderes übrig, als sich mit den Gegebenheiten abzufinden und sich den ‘Anforderungen des Marktes’ zu fügen. Was höre ich da für ein Raunen aus den hinteren Reihen? Das wäre doch im Grunde eine vernünftige Argumentation? Pah, das ist nichts als ein Taschenspielertrick, ein Ablenkungsmanöver à la Copperfield. Denn es geht doch den Globalisierungskritikern überhaupt nicht darum, die Realität der globalen Verknüpfungen abzustreiten. Und sie verlangen auch nicht, die Globalisierung abzuschaffen, sondern sie wollen erreichen, dass sie nach anderen Regeln abläuft. Sie fordern, dass mehr Menschen an ihrer Entwicklung beteiligt werden, damit künftig mehr Menschen als bisher Nutzen aus ihr ziehen können. Denn sie haben erkannt, dass Globalisierung eben kein unveränderliches Naturgesetz ist, sondern dass sie von Menschen gestaltet werden kann. Und das wollen sie eben nicht länger einer Handvoll Menschen überlassen, die der Welt schon viel zu oft gezeigt haben, dass sie für ihren eigenen Profit über Leichen gehen.
Ein kluger Mann hat das, was ich hier auszudrücken versuche, übrigens mal in einem einziges Satz zusammengefasst:
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier. (Mahatma Gandhi)
Tags:G8, Globalisierung, Kapitalismus
Iris Bleyer | 10.06.2007 | 01:23 Uhr | Zeitgeschehen | Kommentieren
Was ist daran neu Herr Lafontaine?
Der gesellschaftliche Status quo, den Sie da beschrieben haben, war einigen Bürgern jedenfalls schon länger bekannt. Und dass die SPD auf diese Zustände maßgeblich mit hingewirkt hat, auch.
Tags:Gesellschaft, Kapitalismus, Oskar Lafontaine, Politik, Sozialabbau, SPD
Iris Bleyer | 21.12.2006 | 21:08 Uhr | Zeitgeschehen | Kommentieren
Offenheit statt Denkbescheidung
Herr Kranich hat französisch buchstabiert und formulierte dabei, was ich mir vor einigen Tagen ebenfalls dachte, aber hier noch nicht deutlich in Worte fasste – nämlich, dass die Hoffnung, die Matthias Platzecks Hinterlassenschaft wohl beim deutschen Wählervolk wecken sollte, sehr wahrscheinlich wieder nur eine trügerische wäre. Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich zwar wünschte, sie wäre berechtigt, allein mir fehlt der Glaube.
Nach den Entwicklungen des letzten Jahrzehnts, in dem Deutschland sich an mindestens zwei Angriffskriegen beteiligte (die Beteiligung am Irak-Krieg wurde ja noch nicht offiziell zugegeben), Bürgerrechts-, Bildungs- und Sozialabbau, zugunsten von menschenverachtendem Marktfundamentalismus (unter dem für viele wohl immer noch harmlos klingenden Titel “neoliberale Globalisierung”), stetig vorangetrieben, Klima- und Umweltschutz dagegen sträflich vernachlässigt wurden, habe ich kein Vertrauen mehr in die deutsche Politik.
Ich halte offen gesagt mittlerweile sämtliche in Deutschland etablierten Parteien für zu schwach, um den kapitalistischen Global Players, die unsere sozialen, ökonomischen und ökologischen Systeme rücksichtslos ausbeuten, noch Grenzen zu setzen. Im Gegenteil, längst sitzen viel zu viele ihrer Vertreter mit den Wirtschafts-Lobbyisten in einem Boot und verhökern das in sie gesetzte Wählervertrauen meistbietend. Ihr langwieriger politischer Aufstieg, in einem von transnationalen Konzernen und Banken korrumpierten System, hat ihnen bereits alle guten Absichten abgeschliffen und ihren Idealismus auf Null schrumpfen lassen, wenn sie da angekommen sind, wo sie wirklich etwas bewegen könnten. Was tun sie stattdessen? Sie arrangieren sich, schöpfen so viel vom noch vorhandenen Rahm für sich ab wie möglich und geben die Verantwortung weiter …an die nächste Bande von Absahnern. Wohl wissend, dass dies ein Schneeballsystem ist, das in absehbarer Zeit zusammenbricht.
Übrigens, verehrter Herr Kranich, ganz so “denkbescheiden” war ich vielleicht bislang doch noch nicht ;o). Im Konsumblog z.B., wo auch ich mich schon mit einigen Beiträgen beteiligte, findet sich mittlerweile eine umfangreiche Ansammlung von Anzeichen und Resultaten der oben beschrieben Entwicklung. Mir kam es oft schon vor wie ein Gruselkabinett des Kapitalismus. Winfried Wolf würde es vielleicht wie ein Spiegelbild seiner apokalyptischen Reiter erscheinen.
Tags:Gesellschaft, Kapitalismus, Korruption, Lobbyismus, Matthias Platzeck, Politik
Iris Bleyer | 15.04.2006 | 09:11 Uhr | Zeitgeschehen | 1 Kommentar