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Artikel mit dem Schlagwort ‘Kampf der Kulturen’

Zum erwarteten Echo der üblichen Empörlinge

Am Donnerstag hatte ich hier ja bereits eine kleine Linksammlung zum Frankfurter Justizskandal gepostet. Und gestern und vorgestern hab ich mit Alexander Endl vom Zielpublikum Weblog auch schon kurz über sein Blogposting zum Thema diskutiert.

Vorhin hab ich dann bei Telepolis noch einen Artikel von Peter Nowak gefunden, dessen Beurteilung der publizierten Fakten und prominenten Meinungsäußerungen zur Sache sich so ziemlich mit meiner eigenen Sichtweise der bisherigen Ausschlachtung Entwicklung deckt:

In die Aufregung um das Gerichtsurteil der Frankfurter Familienrichterin mischt sich Heuchelei und Profilierung beim gewünschten Kulturkampf – Quelle: Telepolis

Aktuelle Publikations-Ekelliste

Zum Abbau von Aggressionen hab ich heute mal öffentliche Äußerungen und Auftritte aufgelistet, über die ich mich in letzter Zeit am meisten und häufigsten geärgert habe. Diese amateurtherapeutische Maßnahme ist hiermit ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen:

  • Sensationsgeiler Feindbilderkrieg und antiislamische Hetze in deutschen Mainstream-Medien und Blogs
  • Antiislamische Argumentation mit angeblicher moralischer Überlegenheit westlicher Werte -> zum Kotzen
  • Wiederholung historischer Dummheiten, z.B. Schlagworte wie “Feigkeit vor dem Feind”
  • Intelligenzbestien -> nach meiner erweiterten Definition: Intellektuelle, die scheinrational für niedere Instinkte wie Fremdenhass, Rassismus, “das Recht des Stärkeren” argumentieren
  • Feige rechtsradikale Kommentatoren (rechtsextreme Perversitäten aus dem Hinterhalt vermeintlicher Anonymität)
  • Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Edmund Stoiber, Günther Beckstein
  • Rassismus, Neokonservatismus, Propaganda für einen Kampf der Kulturen
  • Betonköpfe ohne emotionale Intelligenz (auch Herzensbildung genannt)
  • Intellektuelle Onanie in Weblogs (Texte, die für Leser ohne Philosophiestudium und Fremdwörterlexikon völlig unverständlich sind)
  • Journalisten, die Weblog-Publikationen mit der Begründung kritisieren, sie wären nicht objektiv -> 1. An die eigene Nase fassen, 2. Wer hat je behauptet, Blogs wären objektiv?

Mann beißt Hund

Hach, zwischen all den Horrormeldungen und Kulturkampfreden der letzten Tage hab’ ich endlich mal wieder einen Artikel gefunden, bei dem ich mich während des Lesens entspannt zurücklehnen und sogar an manchen Stellen schmunzeln konnte. Und woher kommt dieser Artikel? Aus Syrien. Da ist gerade der Journalist Michel Reimon unterwegs und berichtet von den Erfahrungen, die er und seine Reisebegleiterin Anne Sophie, eine Fotografin mit dänischem Pass, vor Ort mit dem Karikaturen-Streit machen:

“Ich bin Moslem, und ich bin stolz darauf”, sagt er und nimmt einen großen Schluck. “Was da heute in Damaskus geschehen ist, hat nichts mit dem Islam zu tun. Diese Zeichnungen waren falsch, aber der Koran lehrt uns etwas sehr wichtiges: Vergebung.” Irgendwie zweifle ich daran, dass hier ein Vertreter der Strenggläubigen spricht. “Und womit hat das dann zu tun?” frage ich. “Mit Politik”, sagt Waddah. Als ich nachfrage, winkt er ab. “Das ist eine Sache der Präsidenten und Minister. Die brauchen solche Vorfälle. Mit uns hat das nichts zu tun.
zum kompletten Artikel (Lesenswert!)

via sebastiankoch:weblog

Zeit für eine Warnung

Jeder, der sich jetzt durch schmeichelnde, scheinheilig mahnende oder hetzerische Reden zum Hass verführen lässt, fällt ihm irgendwann selbst zum Opfer. Führer, die den Hass auf dem Banner tragen, teilen keine Macht, die ihnen gegeben wird; und sie werden sie immer zur gnadenlosen Herrschaft über Menschen einsetzen, nie zu ihrem Schutz.

Der Hass ist ein Feind ALLER Menschen, mit dem man sich niemals! verbünden darf – egal, wie groß die Angst oder die Versuchung ist. DAS hat mich die Geschichte gelehrt. Und der einzige Verbündete, der uns Menschen vor dem Hass beschützt, ist das Mitgefühl. Darum lasst es Euch von niemandem ausreden – nicht durch furchteinflößende Worte, nicht mit bedrohlichen Feindbildern, nicht mit Wutgeheul oder dem Ruf nach Vergeltung.
Denkt an Yodas mahnende Worte:

Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.

Von der Schwere der Freiheit

Danke Felix Schwenzel für die deutlichen Worte. Da könnte ich mich eigentlich ohne weiteren Kommentar anschließen. Aber ich sag’s hier trotzdem noch mal mit meinen Worten. Immerhin findet man ja dieser Tage auch reichlich anderslautende Ansichten rund um die Mohammed-Cartoons.

Ich find’s ebenfalls primitiv, sich bei jeder publizierten Geschmacklosigkeit auf Pressefreiheit zu berufen. Freiheit ist für mich kein Freibrief, der es jedem Sensationsjunkie erlaubt, lauthals in der Gegend rumzukrakeelen, ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden. Wer Freiheiten für sich beansprucht, muss m.E. auch bereit sein, die Verantwortung für die Steine zu übernehmen, die er damit ins Rollen bringt. Und für Publikationen, die nichts als plumpe Provokation darstellen und damit den Kampf der Kulturen anfeuern, hab ich kein Verständnis. Damit dann auch noch die Pressefreiheit zu belasten, sehe ich als Missbrauch und Beleidigung demokratischer Werte an.

Aus einer ähnlichen Perspektive hab ich übrigens die Wikipedia-Turbulenzen um Tron wahrgenommen. Es kann doch beim Publizieren nicht immer nur darum gehen, seine Rechte um jeden Preis durchzuboxen. Meiner Ansicht nach sollte jedenfalls in der öffentlichen Auseinandersetzung mit sensiblen Themen auch nicht vergessen werden, Mitgefühl und Verständnis für die Empfindlichkeiten anderer aufzubringen. Schließlich haben wir doch auch die Freiheit, nicht in jedem Fall auf unser Recht zu pochen, oder?