Weblog
Bloggen für mehr Transparenz
Leute, das wird aber langsam echt mühsam, die vielen juristischen Nägel abzubloggen, mit denen so mancher Unternehmer und neuerdings sogar angeblich gemeinnützige Vereine das geöffnete Fass für die Meinungsfreiheit zunageln wollen.
Jüngstes Beispiel: Die Organisation Transparency Deutschland hat offenbar nicht damit gerechnet, dass z.B. Webpublizisten ihre offiziellen Forderungen, nach “Integrität, Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft”, so ernst nehmen könnten, dass sie die praktische Umsetzung dieser hehren Ziele innerhalb der Organisation, öffentlich in Frage und zur Diskussion stellen – sogar dann noch, wenn versucht wird, sie durch die Androhung einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und einstweiligen Verfügung daran zu hindern.
Na Transparency Deutschland, sind Sie jetzt stolz auf Ihre Arbeit, die so viele Blogger dazu anspornt, sich sogar am Wochenende spontan für mehr “Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft” ins Zeug zu legen? - via wirres.net
Nachtrag (15.10 Uhr): Wie praktisch, Roland von ronsens hat in seinem Artikel zum Thema schon eine Linkliste mit Blog-Beiträgen zum Umgang der Transparency mit der Meinungsfreiheit zusammengetragen. Dann kann ich mir das ja an dieser Stelle sparen und Wochenende machen ;o).
Tags:Abmahnung, Meinungsfreiheit, Transparency International Deutschland
Iris Bleyer | 25.03.2006 | 14:19 Uhr | Recht im Netz | 3 Kommentare
Meinungsfreiheit vs. Anwaltsdrohung
Hier hat mal einer das Dilemma, dem sich immer mehr private Webautoren und Betreiber von Kommunikationsplattformen im Internet seit einiger Zeit ausgesetzt sehen, auf den Punkt gebracht.
Thomas Knüwer vom Handelsblatt Weblog:
Beim normalen Bürger aber hat ein drohendes Anwaltsschreiben den gleichen Effekt wie ein Messer an der Kehle und die Forderung “Her mit der Kohle”. Und deshalb zucken selbst Menschen, die im Recht sind, einfach zurück.
Auf diesen Effekt setzen wohl auch die Unternehmen, die derzeit Weblogs und Internet-Foren abmahnen.
Dumm nur, dass genau durch den vermehrten Einsatz solcher Einschüchterungspraktiken mit der Zeit mehr und mehr Online-Publizisten erkannt haben, dass man solchem Druck nicht nachgeben darf, weil das sonst einreißt und von der Meinungsfreiheit im Netz nicht mehr viel übrig bleibt. Sie haben verstanden, dass ihnen diese Freiheit nicht sicher ist, wenn sie nicht konsequent verteidigt wird. Daher reagieren inzwischen nicht wenige äußerst gereizt auf derartige Drohungen.
Auch der Herr Knüwer gehört offenbar zu der Sorte erfahrener Webautoren, die sich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mit juristischen Drohgebärden wegnehmen lassen. Dies demonstriert er beispielsweise, indem er uns heute in seinem Blog offen seine Meinung zu den aktuellen Vorkommnissen mitteilt, über die ich hier in meinem gestrigen Eintrag berichtete:
Auf diesen Effekt setzen wohl auch die Unternehmen, die derzeit Weblogs und Internet-Foren abmahnen. So wie vor einiger Zeit eine nicht genannte Firma, die ihre Drohungen gegen das Supernature-Forum aber wieder zurückzog. Noch dreister erscheint das Vorgehen eines Designers wenig anspruchsvoller Online-Auftritte namens Euroweb gegen ein Netz-Forum und gegen das Blog von Jens Scholz. Quelle: Handelsblatt Weblog
Über einen adäquaten und weniger selbstschädigenden Umgang mit der Meinungsfreiheit im Internet, können sich die Auslöser der aktuellen Debatten bei Bedarf übrigens beim Werbeblogger Andreas Rodenheber informieren.
Tags:Abmahnung, Freiheitsrechte, Meinungsfreiheit, Recht
Iris Bleyer | 20.03.2006 | 14:03 Uhr | Recht im Netz | Kommentieren
Blogs und Foren unter Abmahnfeuer
Der geschätzte Blogger-Kollege Jens Scholz bekam Post von den Anwälten der Euroweb Internet GmbH, in der ihm vorgeworfen wird, er verbreite in Beiträgen und Kommentaren auf seiner Internetseite unwahre und beleidigende Behauptungen gegen die Firma Euroweb.
Erstaunt über diese Beschwerde hab ich mir die Beträge zum Thema Euroweb in Jens’ Blog angesehen und konnte da – wie von mir nicht anders erwartet – keine Behauptungen finden, die ich als unwahr oder beleidigend einschätze.
Fakt ist, Jens berichtete vor einigen Tagen, dass die Firma Euroweb offenbar grundsätzlich und systematisch gegen ihr nicht genehme Forendiskussionen und kritische Berichte vorgehe und schrieb in einem früheren Beitrag, was er von den ‘Webdesign’-Angeboten der genannten Firma hält. Zugegeben, seine Kritik war nicht gerade schmeichelhaft, was man aber m.E. in Anbetracht der gezeigten Leistungen wohl auch kaum erwarten darf.
Nun will es Jens genau wissen, ob er in diesem Land nicht mehr offen seine Meinung sagen darf und hat sich einen guten Anwalt besorgt. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung interessiert mich allerdings auch – brennend! Deshalb komme ich hier mal Jens’ Aufforderung nach und beteilige mich am Fass Aufmachen für die Meinungsfreiheit im Internet.
Weitere aktuelle Meinungen zum Thema Euroweb in der Blogosphäre:
- 600 Tacken für “Visitenkartenseite”??? – sagichdoch?
- Meinungsfreiheit à la euroweb – wirres.net
- Euroweb – Nerdcore
- Euroweb und die Meinungsfreiheit – Lummaland
- Euroweb und der merkbefreite Raum – Blogs!
- Euroweb und die Meinungsfreiheit im Netz – segert.net weblog
- Liebe Firma Euroweb – Axonas
- Frei von Meinung – Tom’s Diner
- Meinungsfreiheit im Internet nach dem Heise-Urteil – Elfengleich
- Euroweb Internet GmbH – Spreeblick
- Euroweb: Wir sind die Blogger, Widerstand ist zwecklos – Dr. Web
- Wikipedia? Das sind die nicht wert – Eudemonia
Tags:Abmahnung, Euroweb, Meinungsfreiheit
Iris Bleyer | 19.03.2006 | 09:25 Uhr | Recht im Netz | 5 Kommentare
Gedanken über Systemkrankheiten
Wieso ich hier in letzter Zeit so wenig schrieb? Nun, ich habe viel gelesen und nachgedacht, mich auf die Suche nach Antworten auf Fragen gemacht, die derzeit nicht nur mich sondern auch viele andere beschäftigen:
Warum werden in einem der reichsten Länder der Welt immer weniger Kinder geboren? Was sind die Ursachen vom offenbar weit verbreiteten Mangel an Empathie für “den Anderen”, der sich in zunehmender Fremdenfeindlichkeit, Kulturkampfinszenierungen und dem Erstarken rechtsextremer Kräfte niederschlägt? Wieso wird in öffentlichen Diskussionen über die Relevanz von Weblogs für die Meinungsbildung so häufig die Frage nach einem Business-Modell gestellt? Werden Publikationen erst relevant, wenn man sie profitabel vermarkten kann? Warum üben Zugriffszahlen und Google-Rankings auf immer mehr Blogger einen so unwiderstehlichen Reiz aus, dass sie ihre persönlichen Publikationsplattformen mit platten Video-Gags oder abgeschriebenen SpOn-Nachrichten füllen, um die breite Masse anzulocken?
Bei meinen Recherchen und Überlegungen zu diesen Themen herausgekommen ist eine persönliche Definition für den Begriff Leistungsgesellschaft: Eine von Politik, Wirtschaft und Medien forcierte Narzissmus-Kultur, in der materieller Besitz und öffentliche Aufmerksamkeit (Medienpräsenz/Prominenz) den (Selbst)Wert der Menschen bestimmen und als Ersatzbefriedigung für deren eigentliches Bedürfnis nach liebevollen zwischenmenschlichen Beziehungen und sinnvollen Lebensinhalten dienen.
Mein daraus resultierendes (vorläufiges) Fazit: Im Grunde sind die alltäglichen sozialen Dramen der sogenannten “zivilisierten Welt” nichts anderes als eine unendliche Geschichte ohne Happy End.
Tags:Gesellschaft, Narzissmus-Kultur
Iris Bleyer | 16.03.2006 | 09:32 Uhr | Zeitgeschehen | 2 Kommentare
Gekaufte Blog-Leser
Da hat offenbar einer ‘ne neue Marktlücke entdeckt: Blog-Kommentare bei eBay
Iris Bleyer | 05.03.2006 | 20:16 Uhr | Bloggerei | Kommentieren