Journalismus
Die BND-Affäre in deutschen Medien
Michael Gordon, Chefmilitärkorrespondent der “New York Times”, wehrt sich gegen die Vorwürfe deutscher Medien, die die Glaubwürdigkeit seines Berichts, über die Verwicklungen des BND in den Irak-Krieg, anzweifeln:
Die deutschen Medien sollten ihre Arbeit machen und ihre Regierung kontrollieren – und nicht so tun, als sei seine Berichterstattung der Skandal. Quelle: Tagesspiegel
Dietmar Ostermann meint in der Frankfurter Rundschau, die deutsche Kritik an der “New York Times” ignoriere deren Qualität.
Tags:Irakkrieg, Michael Gordon, New York Times, USA
Iris Bleyer | 03.03.2006 | 19:44 Uhr | Journalismus, Zeitgeschehen | Kommentieren
Journalismus, Pressefreiheit & Anti-Terror-Kampf
Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Kommentar bei Blogs!:
Ein Journalist, der stolz auf seinen Berufsstand sein will, sollte imo zuallererst im eigenen Nest nach den Kuckuckseiern suchen (oder auch nach faulen) und sie selbst dahin befördern, wo sie hingehören – in die Gosse.
Ich will nicht unfair sein. Darum soll an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, dass es durchaus auch in großen Redaktionen noch Journalisten gibt, die sowas tun. Heute entdeckte ich z.B. im Feuilleton der Frankfurter Rundschau einen Artikel von Peter Michalzik, über einen Theaterskandal (von dem man annehmen könnte, er hätte sich in Schilda zugetragen, nee war aber in Frankfurt), einen mimosenhaften Kritiker und eine Oberbürgermeisterin, die scheinbar ein sehr seltsames Verständnis von Pressefreiheit haben:
Welcher pseudojuristische Schaum hier eigentlich von Zeitung, Kritiker und Oberbürgermeisterin für die Pressefreiheit geschlagen wird, ist die interessanteste Frage. Angriff auf die Pressefreiheit! Das riecht nach der Fortsetzung des Karikaturenstreits. Im Namen der Freiheit geht man gegen die Behinderung des Journalisten durch das Theater vor, das sich offenbar gebärdet wie die wildgewordenen Islamisten von der Straße. So mag sich das anfühlen. In Wirklichkeit aber liegt die Parallele zum Karikaturenstreit woanders. Zielgerichtet wird hier eine dumpfe, überflüssige und wohlfeile Erregung geschürt und öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet.
Meinen Respekt Herr Michalzik! Scharf beobachtet, sauber recherchiert und würzig serviert, so liest sich für mich guter Journalismus. Nebenbei bemerkt, mir ist aufgefallen, dass man Artikel von solcher Qualität im Feuilleton der Frankfurter Rundschau überdurchschnittlich häufig findet, weswegen ich die regelmäßige Lektüre desselben gerne weiterempfehle.
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Nachtrag 17.03.2006: Links auf FR-Artikel kann ich allerdings nicht empfehlen, da viele Artikel nach 14 Tagen nicht mehr erreichbar sind. So macht auch das Kommentieren von FR-Artikeln im Blog wenig Sinn :o(.
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Doch nicht alle Arbeiten fähiger Journalisten finden Platz in der Frankfurter Rundschau, den einen oder anderen hervorragenden Artikel findet man mitunter sogar in der FAZ. Nils Minkmar z.B. ist mir da schon zum wiederholten Male positiv aufgefallen (nicht nur mir). Den Namen werde ich mir merken. Er gehört zweifelsohne zu der Klasse Profischreiber, die mich veranlassen, immer noch den einen oder anderen neugierigen Blick in die FAZ zu werfen ;o). In der letzten Ausgabe der FAS erschien z.B. sein Artikel: Der Westen und der Islam – Raus aus der Defensive!, in dem er seine Überlegungen über eine wirkungsvolle europäische Offensive gegen islamistischen Terror beschreibt. Seine Argumentation klingt für mich so gut durchdacht und überzeugend, dass ich mir wünschte, führende europäische Politiker würden sie zur Grundlage ihrer Anti-Terror-Maßnahmen machen – und zwar spätestens bis gestern:
Deutsche, Europäer muslimischen Glaubens können am besten deutlich machen, wo die Kampflinie verläuft: keineswegs zwischen Christen und Moslems, Arabern und Weißen, Türken und Juden, sondern zwischen Mördern und Demokraten. Diese Linie müssen wir auf allen Politikfeldern im Blick behalten. Es kann nicht sein, daß mit den mächtigen Despoten in Teheran, Kairo und Damaskus geschäftliche, politische und sogar nachrichtendienstliche Verbindungen gepflegt werden, während einbürgerungswillige Habenichtse erst mal und grundsätzlich verdächtigt werden. Quelle: FAZ.NET
Mich würde übrigens wirklich mal interessieren, was unser Innenminister Schäuble davon hält. Würde er mich fragen, würde ich ihm sagen, dass das für mich Tausendmal vernünftiger und demokratischer klingt als seine Horrorliste. Mit einer Anti-Terror-Offensive à la Minkmar wär’ ich voll und ganz einverstanden, mit der von Herrn Schäuble ganz und gar nicht, denn die richtet sich m.E. mehr gegen unser Grundgesetz als gegen den Terrorismus.
Tags:Islam, Islamismus, Nils Minkmar, Politik, Pressefreiheit, Terrorismus, Wolfgang Schäuble
Iris Bleyer | 22.02.2006 | 19:33 Uhr | Journalismus, Zeitgeschehen | Kommentieren
Keine Pressefreiheit. Nirgends
Daniela Dahn zog in der letzten Ausgabe der Ost-West-Wochenzeitung Freitag ihre journalistische Bilanz aus dem Konflikt zwischen den Verfechtern der Pressefreiheit und den Karikaturkritikern:
Derzeit wird das angebliche Zurückweichen der freien Presse vor dem Islam lautstark beklagt, während ihr viel folgenschwereres Zurückweichen vor dem Kapital seit Jahren klaglos hingenommen wird. Das verrät eine Betriebsblindheit, die schon an Fahrlässigkeit grenzt. Quelle: Freitag 07 – Haben wir unsere Lektion gelernt?
Dieser Artikel hat meine in letzter Zeit stetig wachsenden Zweifel an der Glaubwürdigkeit unserer professionellen Medienberichterstattung nicht gerade zerstreut, um es mal dezent auszudrücken. Aus den Insider-Beobachtungen von Frau Dahn erklärt sich mir aber zumindest, warum weite Medienkreise derzeit lieber mit dem selbstgerechten Mainstream pauschaler Islamkritik schwimmen, statt sich längst überfällige, selbstkritische Fragen über ihre informelle Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu stellen. Solche Fragen sind nicht lukrativ. Für diese Prinzipienreiter der Pressefreiheit fällt mir jedoch nur eine passende Bezeichnung ein: Heuchler!
Nachtrag: Gerade hab’ ich entdeckt, dass auch der Don nicht nur vom eingangs erwähnten Artikel angetan war, sondern auch so seine ganz eigenen Zweifel an der selbstbeweihräucherten Glaubwürdigkeit des Spiegel hat ;o).
Tags:Medien, Mohammed-Karikaturen, Pressefreiheit
Iris Bleyer | 19.02.2006 | 07:41 Uhr | Journalismus | 4 Kommentare
Mann beißt Hund
Hach, zwischen all den Horrormeldungen und Kulturkampfreden der letzten Tage hab’ ich endlich mal wieder einen Artikel gefunden, bei dem ich mich während des Lesens entspannt zurücklehnen und sogar an manchen Stellen schmunzeln konnte. Und woher kommt dieser Artikel? Aus Syrien. Da ist gerade der Journalist Michel Reimon unterwegs und berichtet von den Erfahrungen, die er und seine Reisebegleiterin Anne Sophie, eine Fotografin mit dänischem Pass, vor Ort mit dem Karikaturen-Streit machen:
“Ich bin Moslem, und ich bin stolz darauf”, sagt er und nimmt einen großen Schluck. “Was da heute in Damaskus geschehen ist, hat nichts mit dem Islam zu tun. Diese Zeichnungen waren falsch, aber der Koran lehrt uns etwas sehr wichtiges: Vergebung.” Irgendwie zweifle ich daran, dass hier ein Vertreter der Strenggläubigen spricht. “Und womit hat das dann zu tun?” frage ich. “Mit Politik”, sagt Waddah. Als ich nachfrage, winkt er ab. “Das ist eine Sache der Präsidenten und Minister. Die brauchen solche Vorfälle. Mit uns hat das nichts zu tun.
zum kompletten Artikel (Lesenswert!)
Tags:Kampf der Kulturen, Mohammed-Karikaturen, Syrien
Iris Bleyer | 09.02.2006 | 16:58 Uhr | Journalismus, Zeitgeschehen | 3 Kommentare
Von der Schwere der Freiheit
Danke Felix Schwenzel für die deutlichen Worte. Da könnte ich mich eigentlich ohne weiteren Kommentar anschließen. Aber ich sag’s hier trotzdem noch mal mit meinen Worten. Immerhin findet man ja dieser Tage auch reichlich anderslautende Ansichten rund um die Mohammed-Cartoons.
Ich find’s ebenfalls primitiv, sich bei jeder publizierten Geschmacklosigkeit auf Pressefreiheit zu berufen. Freiheit ist für mich kein Freibrief, der es jedem Sensationsjunkie erlaubt, lauthals in der Gegend rumzukrakeelen, ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden. Wer Freiheiten für sich beansprucht, muss m.E. auch bereit sein, die Verantwortung für die Steine zu übernehmen, die er damit ins Rollen bringt. Und für Publikationen, die nichts als plumpe Provokation darstellen und damit den Kampf der Kulturen anfeuern, hab ich kein Verständnis. Damit dann auch noch die Pressefreiheit zu belasten, sehe ich als Missbrauch und Beleidigung demokratischer Werte an.
Aus einer ähnlichen Perspektive hab ich übrigens die Wikipedia-Turbulenzen um Tron wahrgenommen. Es kann doch beim Publizieren nicht immer nur darum gehen, seine Rechte um jeden Preis durchzuboxen. Meiner Ansicht nach sollte jedenfalls in der öffentlichen Auseinandersetzung mit sensiblen Themen auch nicht vergessen werden, Mitgefühl und Verständnis für die Empfindlichkeiten anderer aufzubringen. Schließlich haben wir doch auch die Freiheit, nicht in jedem Fall auf unser Recht zu pochen, oder?
Tags:Kampf der Kulturen, Meinungsfreiheit, Mohammed-Karikaturen, Pressefreiheit, Wikipedia
Iris Bleyer | 02.02.2006 | 14:31 Uhr | Journalismus, Zeitgeschehen | 2 Kommentare