Februar 2006
Journalismus, Pressefreiheit & Anti-Terror-Kampf
Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Kommentar bei Blogs!:
Ein Journalist, der stolz auf seinen Berufsstand sein will, sollte imo zuallererst im eigenen Nest nach den Kuckuckseiern suchen (oder auch nach faulen) und sie selbst dahin befördern, wo sie hingehören – in die Gosse.
Ich will nicht unfair sein. Darum soll an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, dass es durchaus auch in großen Redaktionen noch Journalisten gibt, die sowas tun. Heute entdeckte ich z.B. im Feuilleton der Frankfurter Rundschau einen Artikel von Peter Michalzik, über einen Theaterskandal (von dem man annehmen könnte, er hätte sich in Schilda zugetragen, nee war aber in Frankfurt), einen mimosenhaften Kritiker und eine Oberbürgermeisterin, die scheinbar ein sehr seltsames Verständnis von Pressefreiheit haben:
Welcher pseudojuristische Schaum hier eigentlich von Zeitung, Kritiker und Oberbürgermeisterin für die Pressefreiheit geschlagen wird, ist die interessanteste Frage. Angriff auf die Pressefreiheit! Das riecht nach der Fortsetzung des Karikaturenstreits. Im Namen der Freiheit geht man gegen die Behinderung des Journalisten durch das Theater vor, das sich offenbar gebärdet wie die wildgewordenen Islamisten von der Straße. So mag sich das anfühlen. In Wirklichkeit aber liegt die Parallele zum Karikaturenstreit woanders. Zielgerichtet wird hier eine dumpfe, überflüssige und wohlfeile Erregung geschürt und öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet.
Meinen Respekt Herr Michalzik! Scharf beobachtet, sauber recherchiert und würzig serviert, so liest sich für mich guter Journalismus. Nebenbei bemerkt, mir ist aufgefallen, dass man Artikel von solcher Qualität im Feuilleton der Frankfurter Rundschau überdurchschnittlich häufig findet, weswegen ich die regelmäßige Lektüre desselben gerne weiterempfehle.
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Nachtrag 17.03.2006: Links auf FR-Artikel kann ich allerdings nicht empfehlen, da viele Artikel nach 14 Tagen nicht mehr erreichbar sind. So macht auch das Kommentieren von FR-Artikeln im Blog wenig Sinn :o(.
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Doch nicht alle Arbeiten fähiger Journalisten finden Platz in der Frankfurter Rundschau, den einen oder anderen hervorragenden Artikel findet man mitunter sogar in der FAZ. Nils Minkmar z.B. ist mir da schon zum wiederholten Male positiv aufgefallen (nicht nur mir). Den Namen werde ich mir merken. Er gehört zweifelsohne zu der Klasse Profischreiber, die mich veranlassen, immer noch den einen oder anderen neugierigen Blick in die FAZ zu werfen ;o). In der letzten Ausgabe der FAS erschien z.B. sein Artikel: Der Westen und der Islam – Raus aus der Defensive!, in dem er seine Überlegungen über eine wirkungsvolle europäische Offensive gegen islamistischen Terror beschreibt. Seine Argumentation klingt für mich so gut durchdacht und überzeugend, dass ich mir wünschte, führende europäische Politiker würden sie zur Grundlage ihrer Anti-Terror-Maßnahmen machen – und zwar spätestens bis gestern:
Deutsche, Europäer muslimischen Glaubens können am besten deutlich machen, wo die Kampflinie verläuft: keineswegs zwischen Christen und Moslems, Arabern und Weißen, Türken und Juden, sondern zwischen Mördern und Demokraten. Diese Linie müssen wir auf allen Politikfeldern im Blick behalten. Es kann nicht sein, daß mit den mächtigen Despoten in Teheran, Kairo und Damaskus geschäftliche, politische und sogar nachrichtendienstliche Verbindungen gepflegt werden, während einbürgerungswillige Habenichtse erst mal und grundsätzlich verdächtigt werden. Quelle: FAZ.NET
Mich würde übrigens wirklich mal interessieren, was unser Innenminister Schäuble davon hält. Würde er mich fragen, würde ich ihm sagen, dass das für mich Tausendmal vernünftiger und demokratischer klingt als seine Horrorliste. Mit einer Anti-Terror-Offensive à la Minkmar wär’ ich voll und ganz einverstanden, mit der von Herrn Schäuble ganz und gar nicht, denn die richtet sich m.E. mehr gegen unser Grundgesetz als gegen den Terrorismus.
Tags:Islam, Islamismus, Nils Minkmar, Politik, Pressefreiheit, Terrorismus, Wolfgang Schäuble
Iris Bleyer | 22.02.2006 | 19:33 Uhr | Journalismus, Zeitgeschehen | Kommentieren
Keine Pressefreiheit. Nirgends
Daniela Dahn zog in der letzten Ausgabe der Ost-West-Wochenzeitung Freitag ihre journalistische Bilanz aus dem Konflikt zwischen den Verfechtern der Pressefreiheit und den Karikaturkritikern:
Derzeit wird das angebliche Zurückweichen der freien Presse vor dem Islam lautstark beklagt, während ihr viel folgenschwereres Zurückweichen vor dem Kapital seit Jahren klaglos hingenommen wird. Das verrät eine Betriebsblindheit, die schon an Fahrlässigkeit grenzt. Quelle: Freitag 07 – Haben wir unsere Lektion gelernt?
Dieser Artikel hat meine in letzter Zeit stetig wachsenden Zweifel an der Glaubwürdigkeit unserer professionellen Medienberichterstattung nicht gerade zerstreut, um es mal dezent auszudrücken. Aus den Insider-Beobachtungen von Frau Dahn erklärt sich mir aber zumindest, warum weite Medienkreise derzeit lieber mit dem selbstgerechten Mainstream pauschaler Islamkritik schwimmen, statt sich längst überfällige, selbstkritische Fragen über ihre informelle Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu stellen. Solche Fragen sind nicht lukrativ. Für diese Prinzipienreiter der Pressefreiheit fällt mir jedoch nur eine passende Bezeichnung ein: Heuchler!
Nachtrag: Gerade hab’ ich entdeckt, dass auch der Don nicht nur vom eingangs erwähnten Artikel angetan war, sondern auch so seine ganz eigenen Zweifel an der selbstbeweihräucherten Glaubwürdigkeit des Spiegel hat ;o).
Tags:Medien, Mohammed-Karikaturen, Pressefreiheit
Iris Bleyer | 19.02.2006 | 07:41 Uhr | Journalismus | 4 Kommentare
Ein für alle mal
Herr Schäuble, Herr Beckstein und Gesinnungsgenossen: Wer nicht einmal mehr Respekt vor dem verfassungsmäßig geschützten Recht auf Leben hat und für den Einsatz des Militärs im Inneren eintritt, hat in einem deutschen Ministeramt nichts verloren. Meine Herren, Sie haben leider den Sinn und Zweck unseres Grundgesetzes nicht verstanden. Einmal Nachsitzen Zurücktreten bitte. via sagichdoch
Tags:Bundeswehreinsatz im Inneren, Grundgesetz, Politik, Wolfgang Schäuble
Iris Bleyer | 17.02.2006 | 22:30 Uhr | Zeitgeschehen | Kommentieren
Zuchterfolge
Frage: Was kommt dabei raus, wenn man jahrzehntelang Betriebswirte heranzieht und Geschichte, Politik, Religion, Kunst und Musik in den Schulen nur noch als Ausgleichsfächer angesehen werden?
Antwort: Ein geistloses Volk.
Tags:Bildung, Geisteswissenschaften
Iris Bleyer | 17.02.2006 | 19:09 Uhr | Alltagsphilosophie | 2 Kommentare
Fragen zur Weblog-Gestaltung
Ralph hat 6 Fragen zu Struktur und Gestaltung von Weblogs gestellt. Hier sind meine Antworten:
- Wie wichtig sind Dir Kategorien und Archiv in einem Weblog?
Bei der Kategorisierung gilt für mich “weniger ist mehr”. Eigentlich sehe ich Kategorien nur als einigermaßen sinnvoll an, um sehr verschiedene Themenschwerpunkte zu gruppieren und voneinander abzugrenzen – vor allem, um neuen Besuchern anzuzeigen, über welche Themen im jeweiligen Blog überhaupt geschrieben wird. In Blog-Archiven suche ich eher selten – eigentlich bisher nur mal, um einen Eintrag wiederzufinden, von dem ich in etwa noch weiß, wann er gepostet wurde. - Ist Dir der Permalink auf der Überschrift selbstverständlich geworden oder erwartest Du einen Textlink in der Infoleiste?
Auf der Überschrift ist der Permalink für mich mittlerweile selbstverständlicher als in der Infoleiste. Wahrscheinlich hab ich das deshalb auch in meinem Blog von Anfang an so gehandhabt. - Vermisst Du unterstrichene Links oder reicht Dir eine Hervorhebung durch Farbe oder Textauszeichnung?
Im Grunde ist es mir gleich, wie die Links als solche gekennzeichnet sind, es sollte nur eine deutliche und unmissverständliche Hervorhebung sein. Was ich aber gar nicht mag, ist unterstrichener Text, der keinen Link trägt. Das finde ich nach wie vor irreführend. - Manche Infoleisten sind sehr karg, andere wiederrum enthalten reichlich Info. Welche bevorzugst Du und warum?
Auch hier gilt für mich wieder “weniger ist mehr”. Die Infoleiste sollte imo gestalterisch nicht so ins Auge fallen, dass sie vom Inhalt der Artikel ablenkt, bzw. den Lesefluss auf der Seite stört. - Welche Dinge nerven Dich an der Gestaltung von Weblogs am meisten? Zu kleine Schrift, Überladung, Kommentare im PopUpFenster, technische Spielereien, kaum wahrnehmbare Linkkennzeichnung?
Das was Du genannt hast, nervt mich alles. Aber was mich persönlich am meisten nervt fehlt: Werbebanner – besonders schlimm, wenn sie auch noch animiert sind. Außerdem habe ich trotz DSL-Verbindung wenig Geduld mit “Design-Schwergewichten”. - Hast Du zuguterletzt ein oder mehrere Beispiele für Weblogs, die Dich im Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit fast glücklich machen?
Deins :o). Ansonsten finde ich generell Blogs benutzerfreundlich, die ein übersichtliches, nicht zu überladenes Layout, deutlich kontrastierende Text- und Hintergrundfarben, lesefreundliche Schriftgrößen und Zeilenabstände, sowie eine leicht verständliche Navigation haben und mich nicht allzu aufdringlich mit Werbung belästigen.
Tags:Benutzerfreundlichkeit
Iris Bleyer | 16.02.2006 | 04:20 Uhr | Webdesign | Kommentieren